Mythos 1: Depression ist keine Krankheit

Auch wenn nach Angaben der Deutschen Depressionshilfe ca. 5,3 Millionen der erwachsenen Deutschen pro Jahr an einer Depression erkrankt sind, so herrscht immer noch weit verbreitet der Irrglaube, Depressionen sind keine Krankheit, sondern Einbildung.

Wie oft hast Du schon gehört: „Stell Dich nicht so an“, „Wird schon wieder…“, „Nur positiv denken…“ etc. Solche Aussagen kommen meist von Menschen, die noch nie an einer Depression gelitten haben und bringen einen nicht wirklich weiter.

Wenn du wissen willst, ob du unter einer Depressionen leidest, dann schau dir den Selbsttest an.

Wenn wir eine Grippe haben, ist das eine Krankheit, wenn wir Depressionen haben, ist das dann Einbildung? Untersuchungen zeigen, dass tatsächlich in Teilen des Gehirns Veränderungen festgestellt werden können. Der Hippocampus, der Teil unseres Gehirns, der für (Recherche und Ablage von Informationen) zuständig ist, schrumpft. Dies kann zum Glück über Medikamente und Psychotherapie behandelt werden.

Mythos 2: Depressionen treffen nur die Schwachen

Depressionen können jeden treffen. Es handelt sich um eine Stoffwechselerkrankung des Gehirns. Das heißt, es sind zu wenig Botenstoffe vorhanden, wie zum Beispiel Serotonin – der Botenstoff, der für mehr Gelassenheit, Ruhe und Zufriedenheit sorgt.

Dabei wird einerseits zu wenig Serotonin produziert und es wird häufig zu schnell wieder von der Nervenzelle aufgenommen. Daher werden oft die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer medikamentös verschrieben.

Diese sorgen dafür, dass das Serotonin nicht so schnell wieder aufgenommen wird und es nach wie vor als Botenstoff zwischen den Nervenzellen arbeiten kann.

Neben Serotonin gibt es allerdings noch weitere Botenstoffe, die unsere Gemütslage beeinflussen, wie Noradrenalin, Dopamin und andere.

Neuerdings haben Forscher in einer Studie (Elaine Setiawan vom Centre for Addiction and Mental Health in Toronto) nachgewiesen, dass Mikroentzündungen des Gehirns zu Depressionen führen. Sie kamen zu dem Schluss, je länger die Depression unbehandelt ist, umso höher sind die Entzündungswerte.

Also ganz klar: Depression hat nichts mit schwach oder stark zu tun – es ist eine Krankheit, die behandelt werden kann! Was wieder zu der Empfehlung führt: Wenn Du von einer Depression betroffen bist, dann suche Dir schnellstmöglich Hilfe – sprich mit Deinem Arzt – suche Dir einen Therapeuten.

Aber, um nochmals zurückzukommen auf den Mythos, dass nur die Schwachen betroffen sind: Tatsächlich sind sogar die häufiger betroffen, die vor der Erkrankung besonders tatkräftig und als Leistungsträger unterwegs waren. Warum erkranken dann nicht alle, die dem Stress ausgesetzt sind?

Hierzu gilt, dass neben der genetischen Veranlagung noch ein Auslöser kommen muss, wie z.B. ein Trauma, Mobbingerfahrung, Tod eines Freundes oder Angehörigen, Änderung der Lebensumstände. Hierzu siehe auch meinen Blogartikel Ursachen und Auslöser von Depressionen.

Hinzu kommt, jeder Mensch verfügt über anders ausgeprägte Resilienzfaktoren (darüber werde ich in einem meiner nächsten Blogartikel schreiben). Je besser die Resilienzfaktoren ausgebildet sind, umso besser können diese Menschen mit den Widrigkeiten des Lebens umgehen.

Besonders beeindruckt hat mich in diesem Zusammenhang die Lebensgeschichte von Viktor Frankl, einem österreichischen Neurologen und Psychiater. Er ist Gründer der Logo- und Existenztherapie und überlebte als Jude den Holocaust. Sein bekanntestes Werk ist „…trotzdem Ja zum Leben sagen: ein Psychologe überlebt das Konzentrationslager.“

Mythos 3: Depressionen sind nicht heilbar

Ich werde oft gefragt, ob Depressionen heilbar sind, denn letzendlich ist es das, was die Betroffenen wollen.

Weg von dem Leiden.

In der Regel lassen sich Depressionen mit Medikamenten und mit Verhaltenstherapie sehr gut behandeln. In 16 internationalen Studien kam man zu folgenden Ergebnissen: Bei über der Hälfte hilft eine Verhaltenstherapie, knapp darunter mit 47% die medikamentöse Behandlung.

Der Einbezug von Sport und anderer Maßnahmen, wie z.B. Umstellung der Ernährung und ausreichender Schlaf können den positiven Aspekt weiter verstärken und dafür sorgen, dass die Depression schneller abklingt. Übrigens: Die Dauer einer depressiven Episode liegt in den meisten Fällen ca. bei 6 Monaten.

Nach einer überstandenen Depression wünscht sich wohl jeder Betroffene, nie wieder depressiv zu werden. Leider handelt es sich bei der Depression um eine Erkrankung, die mehrmals im Leben auftreten kann. In diesem Fall sprechen wir dann auch von einer rezidivierenden, also wiederkehrenden Depression.

Häufig tritt die Depression 6 Monate nach Abschluss der Behandlung wieder auf. Durch entsprechende vorbeugende Maßnahmen, kannst Du dieses Risiko jedoch erheblich reduzieren.

Diese vorbeugenden Maßnahmen werden im Rahmen der Therapie besprochen, eingeübt und dann auch in Art einen „Notfallkoffers“ beschrieben. Somit kannst Du leicht erkennen, wenn wieder eine Depression naht und die Übungen immer wieder wiederholen bzw. Dir Hilfe suchen. Nur in wenigen Fällen bleibt die Depression chronisch bestehen.

Hilfe bei Depressionen

Wenn Du an einer Depression leidest, dann solltest Du Dir Hilfe holen! Die Zeit ist zu schade, als dass Du dieses eine Leben ungenutzt vorbeiziehen lässt. Hole Dir die Hilfe, um ein glückliches, selbstbestimmtes Leben zu führen!

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